Wie aus einer inneren Frage ein konkretes Engagement wurde und eine Reise nach Uganda begann
von Christina Plath
Manchmal ist da ein leiser, kaum greifbarer Drang, mit den eigenen Fähigkeiten mehr zu tun als das, was der gewohnte Arbeitsalltag vorsieht. Ein Gefühl, das sich nicht sofort erklären lässt, das keine klare Richtung vorgibt – und doch bleibt. Beharrlich. Wie ein innerer Begleiter, der darauf wartet, gehört zu werden. Und dann genügt eine einzige Begegnung, um etwas in Bewegung zu setzen. Plötzlich öffnet sich eine Möglichkeit, die vorher nicht sichtbar war. Etwas, das vieles neu ordnet und in eine andere Richtung lenkt. So ist es mir mit dem Safe‑Space‑Schuluniform‑Projekt in Uganda ergangen.
Seit über 15 Jahren arbeite ich in der Modebranche. Ich habe in großen Konzernen gearbeitet, Kollektionen entwickelt, Strategien mitgestaltet, Trends analysiert, mit LieferantInnen zusammengearbeitet. Ich liebe diese Arbeit. Die Verantwortung, der Druck, das gemeinsame Vorangehen – all das hat mich lange getragen.
Und gleichzeitig war da über Jahre hinweg eine leise Frage:
Kann meine Erfahrung, meine Kreativität, mein Wissen nicht noch in einem anderen Zusammenhang wirken? Kann daraus etwas entstehen, das über Produkte hinausgeht?
Ein entscheidender Moment kam an einem sonnigen Tag in Hamburg, auf der Dachterrasse des Viva‑con‑Agua‑Gebäudes. Ich folgte Thomas’ Einladung zum ZAYA‑Foundation‑Workshop, geleitet von Noah. Offen, neugierig und ohne konkrete Erwartungen an den Tag bin ich nach Hamburg gefahren. Was folgte, war ein Raum voller Energie, Offenheit und inspirierender Begegnungen. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, aber einer gemeinsamen Haltung. Was mich dabei besonders berührt hat, war dieses leise, klare Gefühl: Dass hier etwas Echtes entstehen kann. Nicht geplant bis ins Detail, aber getragen von Vertrauen, Aufmerksamkeit und dem Wunsch, gemeinsam etwas zu bewegen.
Dieser Workshop hat lange nachgewirkt. Immer mehr Fragen tauchten auf und auf einmal der starke Wunsch diese weiter zu verfolgen und stellen zu können. In den folgenden Gesprächen mit Noah ist dann etwas Entscheidendes passiert: Er hat in meinem Lebenslauf und meiner Erfahrung aus der Modebranche eine Möglichkeit gesehen, sich im Non‑Profit‑Kontext sinnvoll einzubringen – dort, wo ich selbst lange gezweifelt hatte, ob das überhaupt passt. Plötzlich wurde ein Bild klarer: Meine Fähigkeiten weiterzugeben. Das, was mich jahrzehntelang begleitet hat, in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Etwas beizutragen, das Mädchen und junge Frauen stärkt. Praktisch, selbstbestimmt und auf Augenhöhe. Im Safe Space Kamwokya in Uganda lernen Mädchen und junge Frauen handwerkliche Fähigkeiten rund um Schuluniformen – ein Kleidungsstück, das ihren Alltag prägt. In Uganda ist das Tragen von Schuluniformen Pflicht. Sie stehen für Zugehörigkeit, Verantwortung und Disziplin, stellen für viele Familien jedoch jedes Jahr eine große finanzielle Herausforderung dar. Im Safe Space eignen sich die Mädchen praktische Skills an: Sie lernen, ihre eigenen Schuluniformen passgenau nach ihren Bedürfnissen zu verändern und neue Uniformen selbstständig zu schneidern. Diese werden verkauft und schaffen eine erste Form von Einkommen und Eigenverantwortung. Gleichzeitig ist der Safe Space ein offener Ort des Lernens und Weitergebens. Auch andere Mädchen haben die Möglichkeit, ihre Uniformen dort anzupassen und von dem Wissen zu profitieren. Was gelernt wird, bleibt nicht individuell, sondern wird geteilt und weitergetragen. Aus den Erfahrungen, die Noah vor Ort gesammelt hat, ist das Safe‑Space‑Schuluniform‑Projekt Schritt für Schritt gewachsen. Es verbindet handwerkliche Ausbildung mit Gemeinschaft, Verantwortung und der Möglichkeit, selbstbestimmt Perspektiven zu entwickeln.
Heute sitze ich hier, habe gerade meine Flugtickets gebucht und kann es kaum glauben: Ende Mai fliege ich für die ZAYA Foundation nach Uganda – mit meiner Nähmaschine im Handgepäck.
Ich werde Zeit mit Mädchen und jungen Frauen verbringen, gemeinsam arbeiten, lernen, zuhören. Ich freue mich auf den Austausch, auf die unterschiedlichen Erfahrungen und auf das gemeinsame Wachsen. Mit Respekt, Neugier und der Gewissheit, dass auch dieser Weg kein gerader sein muss, um sinnvoll zu sein.
Fortsetzung folgt!